länger drängend, da es Ihr Wille ist, die Dame auf einige Zeitaus der Stadt zu entfernen."
„Besser wär's, ihn noch in Ungewißheit zu lassen, wenn auchnur um ihn zu beschäftigen. Setzen Sie Ihre Verbindung mit ihmfort, und berauben Sie ihn nicht aller Hoffnung, sie ist ein Bcle-bungsmittcl für ein durch Erfahrung noch nicht ertödtetes Gcmüth.Wir wollen es einem der Unfern nicht verhehlen, daß wir bald amSchluß einer Unterhandlung sind, die den Staat der Sorge für dieDame überhebcn und zum Vortheil der Republik gereichen wird.Ihre Güter, die außer unfern Gränzen liegen, erleichtern die Sachesehr, deren Kenntniß Ihnen nur vorenthalten worden, weil wir Sicseit Kurzem zu sehr mit Geschäften überhäuft haben."
Wieder verneigte sich Signor Gradenigo unterthänig und mitscheinbarer Freude. Er sah, daß man trotz seiner geübten Hinterlistund scheinbaren Offenheit, seine geheimen Absichten recht gut erkannthabe, und unterwarf sich nun mit der vcrzweiflungsvollen Resig-nation, die bei Menschen, welche lange unter despotischer Regierunggelebt haben, zur Gewohnheit wird, wo nicht gar zur Tugend.Nach Beendigung dieses dclicaten Geschäfts, das die höchstmöglicheFeinheit venctianischer Politik erforderte, da es mit dem Interesseeines Mannes verflochten war, der jetzt eben zu demselben Gerichtegehörte, wandten die Drei ihre Aufmerksamkeit, mit allem Anscheinevon Gleichgültigkeit gegen persönliches Gefühl, den Männer auf denkrummen Pfaden der Staatspolitik sich ancignen, aufandere Dinge.
„Da unsere Meinungen in Hinsicht der Donna Violetta soglücklich übercinstimmen," bemerkte der älteste Senator, ein seltenesProbestück von Gcwohnheits- und weltlicher Moralität, „so lassenSie uns die Liste unserer täglichen Pflichten durchmustern — wasbringt uns heute Abend der Löwenrachen?"
„Einige der gewöhnlichen und unbedeutenden Anklagen, diepersönlicher Haß erzeugt," erwiedcrte ein Anderer. „Da beschul-digt Jemand seinen Nachbar der Hintansetzung religiöser Pflichten