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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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nämlich Schein an die Stelle der Wirklichkeit setzt, allein dieß fügtnur noch Heuchelei zur Anmaßung.

Mißbräuche sind unvermeidlich, wenn die Gewalt in den Hän-den eines unabsetzbaren, Keinem verantwortlichen, Richters ruht,von dein keine weitere Appellation stattfindet. Wird diese Gewaltim Geheim ausgeübt, so werden die Mißbräuche umso drückender.Bemcrkenswerth ist auch, daß in den Staaten, wo diese verderb-lichen und gefährlichen Grundsätze herrschen oder geherrscht haben,die höchsten, übertriebensten Ansprüche aus Gerechtigkeit und Groß-mut!) gemacht werden; denn, während der furchtlose Demokrat seinepersönlichen Klagen laut ausspricht, und die Stimme des anerkanntdespotisch Beherrschten gänzlich unterdrückt wird, schreibt Nothwen-digkeit dem Oligarchisteu die Rettung des Scheins als ein Beding-uiß seiner eigenen Sicherheit vor. So rühmte sich Venedig derGerechtigkeit des heiligen Marcus, und wenige Staaten wußten sichmehr, oder machten höhere Ansprüche auf den Besitz dieser heiligenEigenschaft, als dieser, dessen wahrhafte Regierungsmaximen ineinen mysteriösen Schleier gehüllt waren, weil sie selbst bei der lässigenMoralität jenes Jahrhunderts nicht öffentlich aufzutreten wagten.

Den als Motto dieses Werkes gebrauchten Wahlspruch ver-nahm man oft im Munde der Vcnetianer, die mit dein Glauben audie Gerechtigkeit ihrer Regenten geschmeichelt wurden, während siein der That die Knechte eines Gesetzes waren, das kein Mittel zuErreichung seines Zweckes scheute.