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„Ich fürchte," sagte der Alte, den Anderen unbefangen an-sehend, „ich fürchte, es ist nur wenig Unterschied zwischen demMächtigen und Schwachen, wenn Beide entkleidet sind, und derbloße Mensch dem Menschen gegenüber steht."
„Die Wahrheit möchte hier kein willig Ohr finden."
„Wie! läugnen sie, daß sie Christen, Sterbliche, Sünder sind?"
„Sie rühmen sich des Ersteren, Antonio, — vergessen desZweiten und hören sich nicht gern die Dritten nennen, außer vonsich selbst."
„Ich fange doch an, zu zweifeln, daß ich des Knaben Freiheiterlangen werde, Jacopo."
„Sprich mild mit ihnen; sag' nichts, was ihre Eigenliebe ver-wunden, oder ihre Autorität bedrohen könnte — sie verzeihen viel,besonders wenn letztere geachtet wird."
„Doch eben diese Autorität nahm mir mein Kind! Kann ichzu Gunsten einer Macht sprechen, die ich für ungerecht erkenne?"
„Wenigstens mußt du so thun, sonst schlägt dein Gesuch fehl."
„Laß mich nach meinen Lagunen zurückkehrcn, lieber Jacopo,denn meine Zunge bewegt sich nur nach dem Gebot meines Herzens.Ich fürchte, ich bin schon zu alt, um zu sagen, daß ein Sohn demVater mit Recht entrissen werden könne. Sag' du ihnen, in mei-nem Namen, daß ich hicher kam, um ihnen meine Achtung zu be-weisen, daß ich aber, weil ich sah, wie fruchtlos ferneres Bittensein würde, zu meinen Netzen und Gebeten heimgekehrt sei."
Nach diesen Worten schüttelte er die Hand seines bewegungs-losen Gefährten und schickte sich zum Fortgehen an. Ehe noch seinFuß die Marmorhalle verlassen, zielten schon zwei Hellebarden nachseiner Brust; er sah jetzt zum ersten Mal, daß bewaffnete Männerden Eingang besetzt, und er so eigentlich ein Gefangener sei. DieNatur hatte dem Fischer einen richtigen und schnellen Blick gegeben,und lange Gewohnheit seine Nerven gestählt. Als er seine wahreLage bemerkte, wandte er sich, statt aller nutzlosen Vorstellungen,