'
126
ich mein heutiges Glück, komme was da wolle, und ihr mocht' ichgern wohl mehr überlassen, wenn ich dürfte."
So sagte der Kavalier, und überreichte der schweigenden Schöneneinen Strauß der lieblichsten, duftigsten Blumen. Es waren auchsolche darunter, denen die Dichter die Bedeutung der Liebe undTreue beilegen. Die Dame, der dich artige Geschenk dargebotenward, war unschlüssig, ob fie es annehmen dürste. Denn in ihremAlter und bei ihrer Stellung im Staate ging es weit über dieGränzen der üblichen Sitte hinaus, einem Manne solche Huldigungzu gestatten; obgleich allgemein angenommen war, daß die Gele-genheit dieses Festes mehr als die sonst gewöhnliche Galanterie zu-ließe, widerstrebte ihr au solche Gefühle nicht gewöhntes Gemüthsichtbar einer so öffentlichen Huldigung.
„Nimm die Blumen, meine Liebe!" flüsterte ihr die Gefährtinsanft zu. „Der Kavalier, welcher sie darbietet, will nur einenBeweis seiner guten Lebensart geben."
„Das wird sich am Ende zeigen," versetzte hastig Don Camillo— denn er war es. „ Signore, lebet wohl. Wir sind uns auf diesemWasser wohl begegnet, wo weuigerZurückhaltung uns auferlegt war."
Er verneigte sich und gab seinem Gondelicr ein Zeichen. So-gleich verlor er sich unter der Menge der Gondeln. Jedoch ehe sichdie Böte von einander trennten, lüstete die Schöne ihre Maske einwenig, als suchte sie Kühlung durch die frische Luft, und der Nea-politaner ward für seine Galanterie belohnt durch einen flüchtigenBlick in Violctta's glühendes Gesicht.
„Dein Vormund blickt sehr verdrießlich her," bemerkte DonnaFlorindc schnell. „Ich wundere mich, daß man uns erkannt hat."
„Ich würde mich mehr wundern, wenn man uns nicht erkannthätte. Ich würde den edlen neapolitanischen Kavalier unter Millionenherausfinden! Du denkst nicht an Alles, was ich ihm schuldig bin."
Donna Florinde erwiederte nichts, aber im Stillen schickte sieein heißes Gebet empor, daß Don Camillo's Wohlthat der Em-