liche Barke ein, mit wohlberechneter Pracht ansgestattet, und mitGondeliercn in prächtiger Livree bemannt. Ein einzelner Kavaliersaß darin. Er erhob sich, denn an diesem Tage waren von denmeisten Gondeln die düsteren, unheimlichen Gezelte himveggenommen,— und begrüßte die maskirten Damen mit der Sicherheit eines anvornehmen Umgang gewöhnten Mannes, aber mit der Zurückhaltungtiefer Ehrerbietung.
„Mein Lieblingsdiencr," sagte er galant, „nimmt an diesemRennen Theil, und ich kann auf seine Geschicklichkeit und KraftVertrauen setzen. Ich habe bisher vergeblich nach einer so schönenund tugendhaften Dame mich umgeschaut, daß ich sein Glück an ihrwohlwollendes Lächeln knüpfen könnte; nun aber suche ich nicht weiter."
„Ihr habt ein durchdringendes Auge, Signore, daß Ihr auchunter diesen Masken das entdeckt, was Ihr suchet," crwiederte einevon den Damen, während ihr Begleiter, der Carmeliter, sich mitAnstand bei der Höflichkeit des Fremden verbeugte, die mehr aus-zudrücken schien, als bei solchen Gelegenheiten sonst üblich war.
„Erkennt man sich denn nur an den Augen, meine Damen, undbewundert nur mit den Sinnen? Ihr mögt Euch verstecken, wie Ihrwollt, ich weiß cs dennoch, daß das schönste Gesicht mir nahe ist,das wärmste Herz und das reinste Gcmüth in ganz Venedig."
„Eine kühneProphezeihung, Signore!" sagte Die, welche offen-bar die älteste von den beiden Frauen war, und sah aus ihre Ge-fährtin, als wollte sie erforschen, welche Wirkung aus diese die ga-lante Rede hervorbringe. „Venedig ist berühmt durch die Schön-heit seiner Frauen, und Italiens Sonne erwärmt manch" edles Herz."
„So herrliche Gaben sollten lieber zum Preise des Schöpfersals des Geschöpfes angewendet werden," murmelte der Mönch.
„Es gibt doch Leute, heiliger Vater, die für beide Bewun-derung hegen. Dieß, darf ich hoffen, ist wenigstens das glücklicheLoos Derjenigen, welcher der geistliche Rath eines so tugendhaftenund weisen Mannes, als Ihr seid, zu Gute kommt. Ihr überlasse