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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
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die ganze Erscheinung von der aufgeregten Masse kaum wahrge-nonnncn wurde.

Die Proccssion schiffte nun wieder der Stadt zu. Das Volkerfüllte die Luft mit Frcudcngeschrei über die glückliche Beendigungeiner Ceremonie, der ihr Alter und die Sanction des Papstes eineArt Heiligkeit gegeben hatte, welche noch durch Aberglauben ver-mehrt ward. Einigen freilich, von den Venetiancrn selber, war dieberühmte Vermahlung mit dem adriatischcn Meere ganz gleichgültig,und manche Gesandte der bedeutenderen nördlichen Seemächte, welcheder Feierlichkeit beiwohnten, warfen einander wohlverstandene Blickedes Stolzes zu, .und bargen kaum ihr Lächeln. Aber der Einflußder Gewohnheit, weil auch selbst Anmaßung, wenn sie lange undmit Ausdauer behauptet wird, unter den Menschen sich in Geltungsetzt, war noch so mächtig, daß weder die zunehmende OhnmachtVenedigs, noch das bekannte Uebergewicht anderer Mächte auf demElemente, welches durch dieses Prunkfcst als Besitz des heiligenMarcus zur Schau gestellt ward, die Ansprüche Venedigs so lächer-lich machte, als sie verdient hätte. Die Republik hat seitdem die-selbe leere Täuschung lange hindurch fortgesetzt, gegen alle Vernunftund Bescheidenheit; zu der Zeit jedoch, von welcher wir schreiben,fing der ehrgeizige, parteisüchtige, künstliche Staat die Symtomeseines Verfalls wohl zu fühlen an, aber er ahnte nicht, daß seineGröße so schnell versinken würde, als geschehen ist. So nähernsich Gemeinschaften ebensogut, als einzelne Menschen ihrem Tode,ohne die Vorboten der Vernichtung zu merken, bis das Schicksalsie plötzlich übereilt, und die Reiche sammt ihrer Hoheit dem ge-meinsamen Loose der Vergänglichkeit dahingibt.

Der Bucentaur kehrte nicht geradeswegs zum Quai zurück,um seine schwere und würdereiche Last abznsetzen; sondern mittenim Hafen warf das verzierte Schiff Anker, der weiten Mündungdes großen Kanals gegenüber. Hier waren Beamte seit dem frühenMorgen geschäftig gewesen, alle großen Fahrzeuge und schweren