Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

Wirf den Dolch weg und komm' mit mir nach den Lagunen. Duwirst die Arbeit leichter zu tragen finden, als die Schuld, und ob-schon du mir niemals das werden kannst, was mir der Junge war,den sie mir genommen haben, denn er war unschuldig wie ein Lamm!so wirst du mir immer der Sohn eines alten Kameraden sein, undein reuiges Gcmüth. Komm' mit mir zu den Lagunen, denn solcheArmuth und solch' Elend, als ich erdulde, können nicht noch verächt-licher werden, auch nicht dadurch, daß du mein Gesell bist."

Was sagen denn die Menschen von mir, daß du mich so be-handelst?" fragte Jacopo mit leiser, bebender Stimme.

Ich wollte, sie sagten Unwahrheit! Aber wenige sterben inVenedig eines gewaltsamen Todes, ohne daß man dich nennte."

Würden sie denn leiden, daß ein so berüchtigter Mensch freiaus den Kanälen und auf dem Marcus-Platze umhergehe?"

Wir kennen nie die Gründe, nach welchen der Senat handelt.Einige sagen, deine Stunde sei noch nicht gekommen, Andere sa-gen, dein Einfluß sei zu groß in Venedig, um dich zu richten."

Du hältst von der Thätigkeit der Inquisition nicht mehr, alsvon ihrer Gerechtigkeit. Aber wenn ich heut' Nacht mit dir gehenwollte, wirst du dich daun mehr mäßigen unter deinen Kameradenvom Lido und den Inseln?"

Wenn das Herz beladen ist, so sucht die Zunge ihm Erleich-terung zu schaffen. Ich wollte Alles thun, um meines FreundesSohn von seinen schlimmen Wegen abzuwenden, nur nicht meineneigenen vergessen. Du bist gewohnt, Jacopo, mit den Patriciern zuthun zu haben. Könnte wohl Einer in diesen Kleidern und miteinem so sonnverbrannten Gesicht dazu gelangen, mit dem Dogenzu reden?"

Es fehlt in Venedig nicht an scheinbarer Gerechtigkeit, An-tonio; der Mangel liegt in der wirklichen. Ich zweifle nicht, daßdu gehört werden würdest."

So will ich hier warten aus den Steinen des Platzes, bis

7 *