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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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folge des Nuntio dient. Aber dieß Siegel kann von ihr nicht kom-men, da ein Frauenzimmer ihres Standes"

Weißt dn das gewiß?" fiel Signor Gradenigo schnell ein.Hosea sah ihn aufmerksam an, und las in seinem Gesicht, daß dieAuskunft erwünscht war. Geschwind antwortete er:

So gewiß ich unter Moses Gesetz stehe! Das Dingelchen hatmir lange da gelegen, und um mein Geld nicht ruhen zu lassen,habe ich cs hingegeben."

Die Zechinen find dein, vortrefflicher Jude! Jetzt ist die Sacheklar über allen Zweifel. Geh', du sollst deine Belohnung haben,und wenn du irgend etwas Bemerkliches in deinem geheimen Re-gister hast, setze mich schleunigst davon in Kenntniß. Geh' nUr,guter Hosea, und sei pünktlich wie bisher. Die beständigen Anstren-gungen meines Geistes haben mich müde gemacht."

Der Hebräer, in dessen Gemüth gewohnte Habgier und unter-würfige Schlauheit jedes andere Gefühl vollkommen bemeistert hatten,empfahl sich vergnügt über sein Glück, und verschwand durch dieselbeThür, durch welche er cingetretcn war.

Es schien, daß Signor Gradenigo heute Niemanden mehr zuempfangen hatte. Er untersuchte sorgfältig die Schlösser einigergeheimer Schubfächer in seinem Kabinet, löschte die Lichter aus,verschloß und verriegelte die Thüren, und entfernte sich. Noch einigeMinuten durchschritt er in der äußern Zimmerreihe eines der Haupt-gemächer, bis seine gewöhnliche Stunde zum Schlafengehen erschien.Der Palast wurde nun für diese Nacht geschlossen.

Der Leser wird den Haupthelden der eben beschriebenen Auftritteeinigermaßen kennen gelernt haben. Signor Gradenigo war so gutals andere Menschen mit einem mitleidigen und fühlenden Herzengeboren, aber seine zufällige Stellung und Erziehung, welche nachden Einrichtungen der Republik, wie sie sich nannte, stark gefärbtwar, hatten aus ihm ein Geschöpf der herkömmlichen Staatsklughcitgemacht. Venedig schien ihm ein freier Staat zu sein, denn er