Nathes einen von deinem Stamme treffen sollte, so wird es weit-läuftige und ernstliche Abrechnungen geben. Hast du neuerlich mitanderen Siegelringen zu thun gehabt, außer dem des Neapolitaners?"
„Blos auf dem gewöhnlichen Wege unseres täglichen Geschäfts,sonst nichts von Bedeutung, gnädiger Herr!"
„Betrachte dieß," fuhr Signor Gradenigo fort, und gab ihmein mit einem Wachssiegel versehenes Streifchen Papier, welches eraus einem geheimen Schubfache hervorsuchte. „Gibt dir dieser Abdruckvielleicht eine Vermuthung überden Eigenthümer desPettschafts?"
Der Juwelier nahm das Papier, und hielt es gegen das Licht,während sein blitzendes Auge angespannt das darauf befindliche Sie-gel untersuchte.
„Das wäre über die Weisheit von Davids Sohne" — sagte ernach einer langen und scheinbar fruchtlosen Untersuchung — „hier istnichts als eine grillenhafte Liebhaber-Devise, wie lustige Cavalierein der Stadt zu gebrauchen pflegen, wenn sie das schwächere Ge-schlecht mit schönen Worten und verlockenden Tändeleien in Ver-suchung führen."
„Es ist ein Herz von einem Liebespfeil durchbohrt, mit derUmschrift: pensu ul ouorg lrulitto ä'uwoi'6."
„Weiter aber Nichts, wenn meine Augen mich nicht betrügen.Ich mein', cs ist nicht viel gesagt mit den Worten, Signore!"
„So viel, als darin liegt. Hast du nie einen Edelstein mitdieser Gravirung verkauft?"
„Gerechter Samuel! Wir setzen dergleichen ab, alle Tage, anChristen beiderlei Geschlechts, nnd an Alt und Jung. Ich weißkeine Devise, die besser ginge, woraus ich schließe, daß viel Verkehrmit der Art von leichter Waare getrieben wird."
„Wer das Siegel benutzte, hat wohlgethan, seine Gesinnungunter so allgemeiner Chiffer zu verbergen! Hundert Zcchiuen aberDemjenigen, welcher den Eigenthümer ausfindig macht."
Hosea war eben im Begriff, das Siegel, als Etwas, wovon