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Sechstes Kapitel.
Arbeit hat Cäsar selbst, und unser DruckIst schwerer als wir dachten.
Shakespeare.
„Hast du Den bemerkt, welcher eben von mir ging?" fragteSignor Gradenigo eifrig.
„Oja!" -
„Hinlänglich, um seine Gestalt und seine Züge wieder zu er-kennen."
„Es war ein Fischer von den Lagunen, Namens Antonio."
Der Senator ließ seinen ausgestrecktcn Arm sinken, und sahden Bravo mit einem Blick an, in welchem sich Erstaunen undBewunderung mischten. Er fuhr fort, das Zimmer auf und niederzu gehen, während der Andere auf sein Geheiß wartete, in einerruhigen, ja würdigen Stellung. So gingen ein paar Minuten hin.
„Du hast ein scharfes Auge, Jacopo," hob der Patrizier nachdieser Pause wieder an. „Hast du mit dem Mann zu thun gehabt?"
„Niemals."
„Und du weißt gewiß, daß es —"
„Ew. Excellenz Milchbruder ist."
„Ich habe nicht gefragt, ob du von seiner Jugend und vonseiner Geburt weißt, sondern von seinen gegenwärtigen Umständen,"sagte Signor Gradenigo, und wendete sich ab, sein Gesicht vor dembrennenden Blicke Jacopo's zu verbergen. „Hat ihn dir irgend einMann von Bedeutung bezeichnet?"
„Nein! mein Berns hat mit Fischern nichts zu thun."
„Unsere Schuldigkeit, junger Mann, kann uns noch in niedri-gere Gesellschaft führen. Wer die schwere Last des Staates aufseinen Schultern hat, muß nicht die Beschaffenheit dessen, was erträgt, ansehen. Wie ist dir dieser Antonio bekannt worden?