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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Hat der Kalender keine Heilige, der Schiffer keinen Schutz-patron? Der Sirocco hat wohl das Wasser der Bucht gerüt-telt, und deine Netze sind ledig. Wart'! du bist mein Mischbruder,und sollst nicht Noth leiden."

Der Fischer trat mit Würde zurück, und lehnte so, einfach undentschieden, das Geschenk ab.

Signore, wir haben von der Zeit au, daß wir unsere Milchvon derselben Brust empfingen, bis.in unser Alter hier gelebt. HabtIhr mich je als einen Bettler gekannt?"

Du pflegst zwar nicht um Geschenke zu bitten, Antonio, aberdas Alter bezwingt unseren Stolz, wie unsere Kraft. Wenn dunicht um Geld kommst, sage, was du sonst wünschest!"

Gibt es nicht andere Bedürfnisse als die des Körpers, Sig-nore , und andere Leiden als den Hunger?"

Das Gesicht des Senators verdüsterte sich. Er warf einenstechenden Blick auf feinen Milchbruder, und schloß, ehe er ant-wortete, die Thüre, welche nach dem äußeren Zimmer führte.

Deine Worte verkündigen Unzufriedenheit, wie gewöhnlich.Du hast dich gewöhnt, über Maßregeln und Verhältnisse abzu-sprechen, die über deinen beschränkten Verstand weit hinausgehen,und du weißt, daß deine Meinungen dir schon Tadel zugezogenhaben. Die unwissenden Leute des niederen Standes sind im Staatewie Kinder, deren Schuldigkeit es ist, zu gehorchen, und nicht zuklügeln. Aber dein Geschäft?"

Ich bin nicht der Mann, für den Ihr mich haltet, Signore,an Armuth und Entbehrung gewöhnt, bin ich mit Wenigem zu-frieden. Den Senat ehre ich als meinen Herrn, aber ein Fischerhat so gut Gefühl, wie der Doge."

Wieder! Dieß dein Gefühl, Antonio, macht allzu hoheAnsprüche. Du bringst es bei jeder Gelegenheit vor, als wäre dasdie Hauptsorge im Leben."

Signore, und ist sie es nicht für mich? Obgleich ich genug