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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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wagst! Ich hoffe doch, du wirst dich nicht durch irgend ein Kenn-zeichen in der Handschrift verrathcn haben, oder durch die Art, wiedu dir den Siegelring verschafft hast?"

Wenn ich deine Nathschläge, Vater, auch in minder wichti-gen Angelegenheiten oft in den Wind geschlagen habe, so vergesseich doch deine Winke über Venedigs Politik nicht. Der Neapoli-taner ist angeklagt, und wenn dein Kollegium ans Treu' undGlauben hält, wird er verdächtig, wenn nicht gar verbannt werden."

Daß der Rath der Dreie sein Amt verwalten wird, ist garkein Zweifel. Wäre ich nur eben so gewiß, daß nicht ein unvor-sichtiger Eifer dich irgendwie bloß gibt."

Der schamlose Sohn starrte den Vater einen Augenblick zwei-felhaft an, und ging dann in die inneren Gemächer des Palastes,wie Jemand, der,an zweideutiges Handel» zu sehr gewöhnt ist, umeine Sache zweimal zu überlegen. Der Senator blieb zurück. Erging schweigend auf und ab, augenscheinlich in großer Unruhe.Dann und wann fuhr er mit der Hand über sein Gesicht, wie beischmerzlichem Nachdenken. Inzwischen stahl sich eine Gestalt durchdie lange Reihe der Vorzimmer, und blieb an der Thüre des Ge-machs, in welchem der Senator sich befand, stehen. Es war einbejahrter Mann, mit gebräuntem Gesicht und dünnem, altergrauemHaar, in der armseligen und groben Tracht eines Fischers. Aberein angeborner Adel und ein freies, verständiges Wesen sprach sichin seinem kühnen Auge und in seinen hervorstechenden Zügen aus,während die entblößten Arme und die nackten Beine, wohlgebautund muskulös, die Kraft des Mannes eher in ihrem Stillstand,als im Abnehmcn zeigten. Er stand einige Augenblicke mit abge-zogener Mütze, mit gewohnter Ehrerbietung, aber unbefangen, eheseine Gegenwart bemerkt wurde.

Ha, bist du da, Antonio," ries der Senator, als er ihn sah.Weßhalb kommst du?"

Signore, mein Herz ist schwer."