Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

68

sich zeigt, als ich wünsche, glaubet mir, so geschieht cs nur ausBesorgnis, Diejenigen, welche sich um unserer PflcgebesohlenenSchicksale kümmern, voreilig aufmerksam zu machen."

Beide Damen verbeugten sich, und verriethen durch die Art,wie sie ihre Mäntel zusammennahmen, daß sie sich zu entfernenwünschten. Donna Violetta bat, sic zu segnen, und nach den üblichenAbschiedsgrüßcn zog sie sich mit ihrer Gefährtin in ihr Boot zurück.

Signor Gradenigo ging das Zimmer, in welchem er seineMündel empfangen hatte, mehrere Minuten lang schweigend ausund nieder. Kein Laut war hörbar in dem ganzen weiten Hanse,und der leise, vorsichtige Tritt der Bewohner entsprach der Ruhe,welche draußen auch in der Stadt herrschte; endlich aber fesselteein junger Mann, der, alle Spuren der Lasterhaftigkeit von gutemTone in seinem Gesichte, durch die Zimmer schleuderte, das Augedes Senators, und er hieß ihn näher kommen.

Du hast Unglück wie gewöhnlich, Giacomo," sagte er halbmit dem Tone väterlicher Zuneigung, halb des Vorwurfs.DonnaVioletta war noch vor wenigen Minuten hier, und du warst nichtzugegen. Eine unwürdige Jntrigue mit der Tochter eines Juweliersoder ein noch schlimmerer Handel mit ihrem Vater hat dir eineZeit geraubt, die ehrenvoller und vorteilhafter angewendet wer-den konnte."

Ihr thut mir unrecht," erwiederte der junge Mann.MeinAuge hat diesen Tag weder Jude noch Jüdin gesehen."

Das sollte man im Kalender anmerkcn! Ich möchte wissen,Giacomo, ob du die schöne Gelegenheit, welche meine Vormund-schaft dir bietet, zu deinem Vortheil auch recht benutzest, und obdu die Wichtigkeit dessen, woraus ich dringe, mit hinlänglichemErnste bedenkst?"

Zweifelt daran nicht, Vater. Wer so sehr Mangel an demgelitten hat, was Donna Violetta so reichlich besitzt, bedarf nichteben, daß man ihn treibe in solchen Dingen. Ihr habt's mir dadurch