Richter, meinem öffentlichen Charakter gemäß, hören, aber derDienst, welchen er dir geleistet hat, und meine Liebe zu dir, be-stimmen mich, dir zu willfahren."
Donna Violctta empfing dieß Versprechen mit leuchtendem,treuherzigem Lächeln. Sie küßte die Hand, welche er ihr zumPfände darbot, mit einer Glut, welche ihrem aufmerksamen Vor-mund ernstliche Besorgnisse erregte.
„Du bittest zu eiunehmcud," sagte er, „als daß dir Jemandwiderstehen könnte, auch wer schon bis zum Ucberdruß unzählige,scheinbare Ansprüche in seinem Leben hat abweisen müssen. Jungeund edle Gcmüther, Donna Florinde, meinen, alle Menschen wä-ren gerade so, wie ihr Wunsch und ihre Einsalt sie gerne habenmöchte. Was Don Camillo's Recht betrifft — aber nichts weiter!— Du willst es so haben, gut, cs soll untersucht werden mit derBlindheit, welche ja ein Fehler der Gerechtigkeit sein soll."
„Das Bild meint aber doch nur blind gegen Vorliebe, keines-wegs unempfindlich für das blecht."
„Ich fürchte, in Bezug auf diesen Sinn des Worts könntenunsere Hoffnungen getäuscht werden — allein wir wollen sehen!Mein Sohn, Donna Violetta, hat doch neuerlich nicht etwa seineschuldige Ehrerbietung versäumt? Man braucht freilich den jungenMenschen nicht zu treiben, daß er meiner Mündel, der schönstenDame von Venedig, seine Aufwartung mache. Du empfängst ihndoch freundschaftlich wegen der Liebe zu mir?"
Donna Violetta verneigte sich mit jungfräulicher Zurückhaltung.
„Die Thüre meines Palastes ist dem Signor Giacomo zu jederschicklichen Zeit offen," setzte sie gleichgültig hinzu. „Signor, derSohn meines Vormunds kann mir nur ein ehrenwerther Gast sein."
„Ich wünschte dem Jungen einige Aufmerksamkeit — und mehrnoch, ein wenig von jener hohen Achtung — doch wir leben in einereifersüchtigen Stadt, Donna Florinde, in cincrStadt, welcheVorflchtzur größten Tugend macht. Wenn der junge Mensch weniger eifrig