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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Olivia binnen Kurzem ihren Verwandten heirathen wird, nun be-zeigt er ihr seine Verehrung wie gewöhnlich."

Findest du nicht, daß solch' ein öffentliches Liebeszeichen lästigist? Wollte man um mich werben, so wünschte ich, daß Niemanddavon hörte, als eben ich."

Diese Gesinnung ist schlimm sür eine Dame, deren Hand derSenat zu vergeben hat. Ich sürchte, ein Mädchen deines Standesmuß sich darein finden, daß ihre Schönheit gepriesen und ihre Ta-lente besungen werden, vielleicht bis zur Uebertreibung, und zwarselbst von Miethlingen unter einem Balkon."

Ich wollte, es wäre aus," rief Violetta, sich die Ohren zu-haltcnd.Niemand kennt die Vortrcfflichkeit unserer Freundin bes-ser als ich; doch diese offene Darlegung von Gefühlen, die im Stil- »len bleiben sollten, muß sie verletzen."

Geh' nur wieder auf den Balkon. Die Musik hört auf."

Dort singen Gondcliers am Rialto; das ist eine Musik, dieich liebe. Die süßen Töne beleidigen nicht unsere heiligsten Ge-fühle. Willst du heut' Abend fahren, liebe Florinde?"

Wo wolltest du hin?"

Ich weiß nicht, aber der Abend ist schön, und ich habe einVerlangen, den Glanz und die Freude da außen zu genießen."

Tausende gibt es auf den Kanälen, die ein Verlangen haben,den Glanz und die Freude da innen zu genießen. So ist cs immerim Leben, was wir besitzen, wird gering geachtet, und was wirnicht haben, ist uns unschätzbar."

Ich bin meinem Vormund einen Besuch schuldig," sagte Vio-letta,wir wollen nach seinem Palaste fahren."

Trotz der moralischen Predigt meinte cs Donna Florinde sostreng nicht. Sie warf ihre Arbeit bei Seite und machte sich bereit,ihrer Pflegebefohlenen zu willfahren. Es war die gewöhnliche Stundefür Standespersonen, auszufahren, und die Lockung, das Freie zusuchen, so reizend, wie sie nur Italien mit seinem milden Klima,