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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
55
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mein bekannt, und ich kann deine Unwissenheit darüber nur deinerzurückgezogenen Lebensweise zuschreiben."

Mein Pflegling hat an andere Dinge zu denken, als an dieAngelegenheiten eines jungen Fremden, der in Geschäften nach Ve-nedig kommt," bemerkte Donna Florinde sanft.

Aber wenn ich für ihn beten soll, mein Vater, so würdemein Gebet mehr Bestimmtheit haben, wenn ich wüßte, wessen derjunge Edelmann am meisten bedarf."

Bitte nur allein für sein geistliches Wohl. In Wahrheit, vonden zeitlichen Gütern dieser Welt fehlt ihm wenig, obgleich die fleisch-lichen Begierden den, welcher am meisten hat, verführen, immermehr noch zu verlangen. Es hat den Anschein, als ob ein VorfahrDon Camillo's vor Zeiten Senator in Venedig gewesen, als derTod eines Verwandten calabrische Güter in seinen Besitz brachte.Von seinen Söhnen übernahm der jüngere diese Güter in Folgeeines Gesetzes, welches zu Gunsten einer Familie, die dem Staatetreu gedient hatte, ausdrücklich war erlassen worden. Auf den älterenSohn dagegen und auf dessen Nachkommen ging die Senatorwürdeund das Familienbcsitzthum in Venedig über. Die ältere Linie istnun ausgcstorben, und Don Camillo bestürmt seit Jahren denRath, ihn wieder in die Rechte einzusctzen, denen sein Ahnherrentsagt hat."

Können sic ihm dieß verweigern?"

Um es zu gewähren, müßten sie vom Gesetz abgehen. Wenner seinen calabrischen Besitzungen entsagen wollte, so würde er mehrverlieren als gewinnen. Soll er aber Beides haben, so wird gegenein Gesetz gehandelt, welches man nur sehr selten suspendirt. Ichverstehe nicht viel, meine Tochter, von den Verhältnissen des Le-bens, aber cs gibt Feinde der Republik, welche sagen, daß sie eineschwere Knechtschaft übt, und selten eine Gnnst gewährt, ohne reich-lichen Ersatz dafür zu fordern."

Ist das aber recht? Wenn Don Camillo Monsorte Ansprüche