Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

53

gottlos. Es ist unsere Schuldigkeit, uns den weltlichen Gesetzen zuunterwerfen, und mehr als Schuldigkeit, die Ehrfurcht gebietet uns,gegen die Vorsehung nicht zu murren. Aber die Last scheintmir auch gar so schwer nicht, gegen welche du dich auflehnst,meine Tochter. Du bist jung, reicher als ein vernünftiger Wunschzu begehren erlaubt, von einem Adel, der einen verderblichen, welt-lichen Stolz erregen konnte, und schön genug, um dir selbst dergefährlichste von allen Feinden zu werden warum murrst dugegen ein Loos, das ja doch Allen deines Geschlechtes und deinerVerhältnisse zu Thcil wird?"

Wenn ich gegen die Vorsehung gemurrt habe, so fühle ichjetzt schon Reue darüber," entgegnetc Donna Violetta,aber für-wahr, cs würde weniger unangenehm sein für ein Mädchen vonsechzehn Jahren, wenn die Väter des Landes so viel Wichtigereszu thun hätten, daß sic des Mädchens Stand und Alter, und etwaauch ihren Neichthum darüber vergäßen."

Es wäre kein Verdienst eben, mit einer Welt zufrieden zusei», die wir nach unseren Grillen zugcschnitten hätten, und es istdie Frage, ob wir. wenn Alles nach unserem Wunsch ginge, glück-licher wären als jetzt, wo wir uns fügen müssen in die Ordnung,wie sie einmal besteht. Den Anthcil, welchen die Republik andeinem besonderen Wohl nimmt, meine Tochter, mußt du dir ge-fallen lassen, und so ihr vergelten für die Sicherheit und Herrlich-keit, welche sie dir gewährt. Wer in dunklerem Stande, wenigergesegnet mit Glücksgütern geboren wird, kann mehr Freiheit seinesWillens haben, muß aber dafür den Glanz entbehren, welcher dieWohnung deiner Väter erfüllt."

Ich wollte, es wäre weniger Pracht und mehr Freiheit darin."

Die Zeit wird dich lehren, anders hierüber zu denken, deinAlter steht Alles in goldigen Farben; das Leben erscheint danngleich zwecklos, sobald auch selbst der unbesonnenste Wunsch uner-füllt bleibt. Indessen längne ich nicht, daß gerade dein Schicksal