48
„Das ist nicht der Fall. Ich kann nicht lesen, aber die Zügemeines Namens hat mich die Nothdurft schon kennen gelehrt."
„vismme! So geht mir's anch, Signore. Wenn der Briefan mich gerichtet wäre, so wollte ich's so geschwind erkennen wiedie Alte ihr Junges."
„Du kannst also nicht lesen?"
„Ich habe nie Anspruch darauf gemacht. Auch Hab' ich nurein bischen vom Schreiben gesprochen. Die Gelehrsamkeit theiltsich, wie Ihr wohl wißt, Meister Jacopo, in Lesen, Schreiben undRechnen; man kann wohl das Eine verstehen, ohne ein Wörtchenvom Andern zu wissen. Es ist nicht gerade nothwendig, daß wereinen kahlen Scheitel hat, ein Bischof sei, oder wer einen Bartträgt, ein Jude."
„Das hätt'st du gleich sagen sollen. Geh', ich will die Sachebedenken."
Gino war froh, loszukommen; er hatte aber kaum einige Schrittegethan, so sah er ein Frauenzimmer hinter einer der Granitsäulenhervorgleiten. Indem er sich geschwind so wendete, daß er entdeckenkonnte wer es war, der vermuthlich gehorcht hatte, sah er, daßAn-nina Zeugin gewesen von seinem Gespräch mit dem Banditen.
^ Viertes Kapitel.
'' ' Die Welt ist schroff und holp'rig. mein Glück.
Das läuft bergabwärts.
Richard II-
während auf den Plätzen Venedigs ein so heiteres Getümmelwogte, lag die übrige Stadt schweigend wie ein Grab. Ein Ort,in welchen man den Hufschlag von Pferden und Rädergerolle nie-mals hört, muß nothwendig einen ganz besondren Charakter haben;