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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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aber in Venedig erlag die Heiterkeit der eigcnthümlichcn Rcgie-rungsforin und der langen Gewöhnung des Volkes an Argwohnund Mißtrauen aller Art. Es gab allerdings Zeiten und Orte,welche der Beweglichkeit der Jugend und dem Leichtsinn Gelegen-heit boten, sich anszulassen, und das nicht selten. Aber sobald dasGelüste des Augenblicks und der Hebel der Geselligkeit aufhörten, ^nahm der Charakter der Vcnetianer ein so düsteres Wesen an wieihre Stadt.

Während jenes lebendigen Treibens auf der Piazza SanMarco, welches das vorige Kapitel geschildert hat, lag der Neber-rest der Stadt still und einsam im Lichte des Mondes, der so hochstand, daß sein Schein zwischen die Häuser fiel, und hier und daauch die Oberfläche des Wassers flimmernd berührte; die Kuppelnund Thürme ruhten von ihm bcglänzt in feierlicher Majestät. Zu-weilen entfaltete ein Blick seines Lichtes auf die schweren Karniesseeines Palastes den merkwürdigsten Kontrast finsterer Einsamkeit voninnen, und glänzend reicher Architektur des äußern Gebäudes. Zueinem von diesen Edelsitzen ersten Ranges führt uns gegenwärtigunsere Erzählung.

Eine schwerfällige Pracht herrschte in der Bauart des Hauses.

Der geräumige Flur war massiv gewölbt, die marmornen Stufenbreit und schwer. Die Zimmer überraschten durch Bildwerk undVergoldung, und die Wände waren reichlich geschmückt mit unzäh-ligen Meisterwerken der,größten italienischen Künstler. Der Ken-ner konnte unter diesen Denkmälern einer schöneren Zeit der Kunstleicht den Pinsel eines Titian, eines Paul Veronese, eines Tinto-retto, erkennen, jener Dreie, die mit Recht Venedigs Stolz sind.

Diesen Gemälden schloßcn sich andere an, von Bellino, Montegnaund Palma Vecchio, Meister, die nur den berühmteren Koloristender venetianischen Schule nachstauden. Da wo keine Gemälde wa-ren von' Sammet und Seide, das Ganze eine wahrhaft königlichePracht. Die kühlen, schönen Mosaikfußböden von den kostbarsten

Der Braoo. 4