„So schweig, daß er dich nicht höre." Die Antwort war,wie alle andern, ungenügend und aus's Gerathewohl gegeben. —Gino fragte nun keinen mehr, sondern musterte nur mit wach-samen Augen die Menge. Fünszigmal war er im Begriff zu reden,und eben so oft zeigte ihm eine kleine Verschiedenheit des Wuchsesoder Anzugs, ein Gelächter oder ein leicht hingeworfencs Wort, daßer sich geirrt habe. Er drang bis zum Ausgang der Piazza, dannnahm er seinen Weg zur andern Seite durch das Gedränge derPortiko's, blickte in jedes Kaffeehaus und betrachtete jeden Vorüber-gehenden , bis er wieder zurück zur Piazetta gelangte. Da fühlteer seinen Ellbogen leicht gestreift und hemmte seinen Schritt, indemer sich umsah. Ein Frauenzimmer, gleich einer Contadina (Bäue-rin) gekleidet, redete ihn wie gewöhnlich mit verstellter Stimme an:„Wohin so schnell? Was hast du in diesem lustigen Haufenverloren? Wcnn's ein Herz ist, so pass' auf; es gibt hier Viele,die nach dem Juwel lüstern find!"
„Oorpo <ii LuLoo!" rief der abermals getäuschte Gondelier.„Wer solch' ein Ding, wie das meinige, gefunden hat, möge seinGlück behalten. Ist dir nicht ein Domino begegnet, der etwa soaussteht, wie andere ordentliche Leute, und einen Gang hat unge-fähr wie ein Senator, oder ein Padre, oder ein Jude, und der eineMaske trägt, welche tausend andern hier aus dem Platze so ähnlichist, wie eine Seite der Campanile der andern?"
„Du zeichnest den Mann so vortrefflich, daß man ihn nicht ver-fehlen kann. Da steht er neben dir."
Gino drehte sich geschwind um und sah an dem Orte, wo erden Fremden zu finden gedachte, einen grinsenden Harlekin Possentreiben.
„Deine Augen, schöne Contadina, sind so blöd wie eines Maul-wurfs." Er unterbrach seine Worte, denn sobald die, welche ihnangeredct hatte, sah, daß sie sich in der Person geirrt habe, war sieverschwunden. So immerfort getäuscht, drängte er sich dem Wasser