meine allzu große Schwäche für dich mich von meiner Pflicht ab-führt. Was du für Verstecktheit halst, ist blos Scham und Beschei-denheit."
„Das werden wir sehen, wenn die Geschichte erzählt ist."
„So höre! Du hast von dem Abenteuer gehört, das meinemHerrn mit der Nichte des römischen Marchese begegnete, welcherin die Giudecca fiel durch die Unvorsichtigkeit eines Anconafahrers,der über die Gondel hinging, als wäre seine Felucke eine Galeerevom ersten Rang gewesen."
„Seit einem Monat spricht man ja hier auf dem Lido vounichts Anderem; die aufgebrachten Gondelicrs haben die Geschichtemit allen möglichen Variationen schon bis zum Ueberdruß wiederholt."
„Gut, diese Sache schcint's, wird heut'Nacht zu Ende kommen.Mein Herr, furcht' ich, wird einen rechten Narrenstreich aussühren."
„Sich trauen lassen?"
„Oder noch was Schlimmeres. — Ich soll möglich schnell undheimlich einen Priester holen."
Annina hörte mit großer Theilnahme dem Mährchen des Gon-deliers zu. Aber, war es mißtrauisches Temperament, oder alteGewohnheit, oder Bekanntschaft mit der Art und Weise ihres Ge-fährten, genug, es regten sich in ihr einige Zweifel an die Wahr-heit der Geschichte.
„Das wird ein sehr plötzliches Hochzeitfest sein!" sagte sie nacheiner Pause, „'s ist gut, daß nur Wenige dazu gebeten sind, sonstmöchten die Dreihundert die Freude verderben! Zu welchem Klosterbist du geschickt?"
„Ich Hab' keinen bestimmten Auftrag. Der erste Beste kann'ssein, wofern er ein Franziskaner ist, und ein Priester, der Herzhat für Liebende, denen Eil' noth thut."
„Don Camillo Monforte, der Erbe eines alten berühmtenGeschlechts, vermählt sich nicht mit so wenigen Umständen. DeinLügenmaul, Gino, hat mich betrügen wollen, aber du solltest doch