Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

r'

10

eines neapolitanischen Herzogs, der Anwartschaft hat auf einenSitz im Rathe der Dreihundert."

Just der Unterschied zwischen still Wasser und rauhem.Du kräuselst die Oberfläche eines Kanals mit deinem schläfrigenRuder. Ich aber, ich durchlaufe den Kanal Piombino unter einemWindstoß, den Faro von Messina vorbei im Hellen Sturm, umscgleSanta Maria de Leuca unter einem levantinischen Winde, undstreiche über's adriatische Gewässer, vor einem Sirocco her, derheiß genug ist, meine Maccaroni zu kochen und die See schäumenzu machen, toller als der Scylla ihr Kessel."

St!" unterbrach ihn jählings der Gondelier, der mit italieni-schem Humor, doch ohne wirklichen Eifer, in den Rangstreit sicheingelassen hatte. St! da kommt Einer, der sonst glauben möchte,wir bedürften seiner Faust, um den Streit zu schlichten Lecolo!"

Der Calabrese trat einen Schritt zurück und betrachtete schwei-gend und mit düsterem, angespanntem Blick den Vorübergehenden,welcher diese schnelle Bemerkung veranlaßt hatte. Der Fremde ginglangsam vorbei, ein Mann noch nicht dreißig Jahre alt, obwohl derruhige Ernst seiner Züge ein vorgerückteres Alter vermuthen ließ.In seinen Wangen war kein Blutstropfe aber mehr geistige Leidenals körperliche schienen sie gebleicht zu haben. Gesundheit verriet!)sonst der starke, muskulöse Bau seines Körpers, der, gewandt undgeschmeidig, doch alle Zeichen der Kraft an sich trug. Sein Schrittwar sicher, fest und gleichförmig; er hielt sich aufrecht und leicht.In seinen Mienen konnte dem Beobachter ein hervorstechender Zugvon Selbstbeherrschung kaum entgehen. Seine Bekleidung aber ge-hörte dem niederen Stande an. Ein Wamms von geringem Sammt,eine dunkle Montcromütze, dergleichen in den südlichen GegendenEuropa's damals gebräuchlich war, und andere Kleidungsstücke ähn-licher Art, machten seinen Anzug aus. Sein Blick war eher schwer-müthig als finster, und dessen Festigkeit stimmte gut zu der ruhigenHaltung des ganzen Körpers. Die Gcsichtszüge waren kühn und