44 Fragmente zur deutschen Literatur.
oft sehr wohl, und seinen Nachahmern meistens elendgelungen. Ich wußte nicht, ob diese neue glücklicheWersart nicht eher die natürlichste und ur-sprünglichste Poesie*) genannt werden könnte,„in alle kleinen Tbeile ihrer Perioden aufgelöset,„deren jeden man als einen einzelnen Vers eines be-sonder» Svlbenmaaßes betrachten könnte" statt daßihn die Literaturbricfe eine Künstliche Prosenannten. Ich überließ mich meinen Gedanken, undglaubte endlich, daß dies Sylbcnmaaß uns vielleichtvon vielem Uebel erlösen, und viel Aufschluß und Be-quemlichkeit bringen könnte. Man höre mich an:Erstens: Hatten wir einen Dithyrambischen Dich-ter, der wirklich von dem Blitzstrahle des Bacchus ge-troffen, trunken, und begeistert tönen würde:—na-türlich wäre kein gefesseltes Sylbcnmaaß für ihn; erzerreißtes, wie Simson die Bastfeile, als Zwirns-fäden. Allein diese Verse sind Pindarische Pfeile inder Hand des Starken: die, mit Pindac zu reden,blos für die Mitverständigc klingen, dem großenHaufen der Ausleger aber, wie eine dunkle Wolkescheinen. Unser mißglückter Dithyrambensanger kanndieser Bemerkung, durch seinen Jkarischen Fall einGewicht beilegen. — Und noch ein grösseres unsergöttliche Skalde, der seine Gesänge in die ganzeMusik unserer Sprache auflöset, der seinem Sylbcn-maaß das feierliche des Zeitalters giebt, aus welchemer kommt, und allen Wohlklang des Aeons, in wel-chen er erwacht — ein Dichter, der in mehr als ei-ner Absicht vielleicht größer werden kann, als seineZeit.
*) Lit, Br. LH. 3. pag. rc>3.