354 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
so wahre Person, wie Huon und Karl der Gro-ße. Wenn aber Tasso eine für wahr gehaltne Re-ligion mit in seine Dichtung mischte: so stehen bei-de schon nicht auf Einem Grunde; selbst dem ka-tholischen Glauben nach wird er in diesen zwischenWahrheit und Trug gemischten Scenen eine schwä-chere Wirkung hervorbringcn, als die ein reinesMahrchcn hervorbrächtc. Protestanten werden denMilton wie einen Bram ante und MichaelAngelo bewundern ; schwerlich aber sein Gedichtmit so ungestörtem Glauben lesen, wie sie ein reinesMährchen lesen würden; das Rcligions - Systemschadet seinem Gedichte. — Historische Epo-peen haben daher in der neueren Zeit fast keineWirkung gethan, weil ihnen als Gedichten durchausder Glaube fehlet. Das Zeitalter der Elisabeth, obsie gleich selbst eine Dichterin war und Schmeiche-leien sehr liebte, ward nur in Sonnettcn besungen,oder in Allegorien ; Eromwcll und die Wieder-herstellung Karls II. nur in Oden gepriesen.Auch mit größeren Talenten als Chapelain hatte,wäre seine Jeanne d'A rc so wenig oie bleibendeNational-Heldin einer Epopec geworden, als weniges Voltaite's Heinrich der Vierte worden ist.Nur in Stellen kann seine Hcnriade etwa als einphilosophisches Lehrgedicht gelten: der Streit zwi-schen Dichtung und Geschichte ist und bleibt in ihrwidrig. Auch kein Held der Deutschen hat hinterLttnitt, Dietrich von Bern, dem Köni-ge «Qiedich und dem Zwergenkönige Lau rin den«pischcn Lorbeer erlangen mögen, weder Heinrichder BefrAer Deutschlands, noch Maximilian,Gustav Adolph u. f. Durch eine aufrichtige