348 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
tat, finden in demselben Buch, oft eins derselben
Seite, neben 'einander Raum. Wenn wir dasRichtmaas, das Samuel Johnson an einigeEnglische, von ihm genannte m ct a ph i si sc h eDichter angelegt hat, an jede Produktion unsrerSprache anlegen wollten, wo stünden Wir?'
Vor der Buchdruckerey war cs möglich, dieseund jene Schrift vor diesen und jenen Augen zuverbergen; kaum ist dieses jetzt mehr möglich. Allesliefet Alles, cs möge von ihm verstanden werden,
oder nicht; nach der verbotnen Speise lüstet man
am meisten. Und da die Thorheit derer, die dieszu frühe, zu viele, zu vermischte Lesen auf die un-vorsichtigste Art befördern, mit dem Eigennutz, demStolz, der Eitelkeit, dem Erwerb andrer im feste-sten und schädlichsten Bunde stehet; so kann nurEine Macht in der Welt diesen Unfug hemmen.Es ist bessere Erziehung, die ihre Zöglingenicht erst durch Schaden klug werden laßt; und einstiller Bund aller Guten unter einander,nichts Unwürdiges zu verbreiten oder zu loben.Möge Gift mischen, wer da will, und daß am fein-sten gemischte Gift die lautesten Ausrufer finden;von uns scy der Giftmischer, so wie der Ausrufer,verachtet. Mit der Verwirrung des Geschmacks unddem Despotismus fabricirender Schriftstellerey istsfo weit gekommen, daß, da das Schlechteste ohnealles Erröthen auf die unverschämteste Weise gelobtwerden darf, dieser unverschämte Despotismus sichselbst seinen Fall bereitet. Er muß sich selbst einenWiderstand erwecken, der ihn einschranke und be-zaume; oder wir gehen durch unsre Licenz zu Grunde e