174 H- Ideen zur Geschichte und Kritik
Es dnben Einige ein Trauriges, einen düsternZug an diesen Genien bemerken wollen; sie babenaber, wie mich dünkt, Zeiten und Gattungen ver-wirret. Die Anti neus haben freilich einen dü-ster» Zug, wie sie auch, ihrem Urbiidc nach, habensollten; so wie überhaupt die Kunst zu HadriansZeiten schon sehr repräsentiert, und aus sich selbsthe rau stritt. Aber jene Genien einer achtenGattung sind in sich gesenkt, als ob keine Welt umsie wäre, und fühlen sich iM leisesten Selbstgenussezufrieden. Die Idee der Traurigkeit, die wir in sielegen, kommt wahrscheinlich von uns selbst her; wirempfinden ihre Blüthe nemlich auf so zarter Sprosse^daß uns, mitten im GeNusse, der Unbestand dersel-ben zu schmerzen anfangt. Wir, zumal freMdeNordländer, fühlen, der zarte Ton verhalle, dieRosenknospe entwickle sich und sterbe. Das solltenwir indeß nicht fühlen, vielmehr dem Schöpfer derNatur danken, daß er uns eine solche Blüthemenschlichen Daseyns zeigte. Was Anakreon unddie Anthologen, was Sappho, Platon, und,wenn er noch vorhanden wäre, Jbykus von schö-nen Jünglingen gedichtet und gesungen haben, bliebeuns ohne diese sichtbar gewordenen Ideen vielleichtein leerer Hall, an den wir kein Bild heften könn-ten; jetzt überzeugt uns das Auge von der Wesen-heit jener lieblichen Traume und bestimmt sie unsin Bildern.
Das männliche Geschlecht ging in der Kunst derGriechen dem weiblichen vor; doch ward auch dicsemfein reicher Antheil an der Kunst nicht versaget.Nymphen, Grazien, Horen, ja die Par-