162 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
» 5 .
An M.
Angenehm Hut mich der Name Petrarca inIhrem Briefe geweckt: er erinnerte mich an die Zei-ten, da ich, nicht etwa nur seine Sonnette und Can-zvnen, sondern die Nachrichten aus seinemLeben *) und die merkwürdigsten seiner Schriftenund Briefe selbst las. Welch eine falsche Idee hatman gemeiniglich von Petrarca! wie falsch wäre auchdie, wenn man sich aus seinen Selbstgesprächen **)etwa nur eine bußfertige Seele oder einen mit sichselbst Unzufriedenen abzöge! Ganz ein andrer Geistlebte in Petrarca.
Zuerst trug er das große, unaustilgbare Ge-präge der Liebe des Alterthums in seinerSeele; ein Gepräge, das mir allenthalben ehrwür-dig ist, wo ichs gewahr werde, und das uns beiihm, zu seiner Zeit, unter seinen Umstanden, inder Anwendung, die er davon machte, äußerst wohl-thut. Die Griechen kannte er wenig, und setzte sieden Römern nach; er ward mit ihrer Sprache zu
*) lVionroires pour In vio äe ketrargus. ^>ust.1764, 3 Quartbande. Ihre Uebersetzung, Lemgo177g., ist sehr gut und zweckmäßig.
**) Die 3 Gespräche von der Verachtung der Welt.Uebersetzt in Müllers Bekenntnissen merkwürdigerMänner von sich selbst, r, LH.
(A. b. H.)