66
II. Ideen zur Geschichte und Kritik
Noch i» den Thalern, den Wäldern, den tiefen Kluft
ten der Berge
Naubbegierige Wuth; allein was gehet sie uns a»?
Aber welche Gefahr, und welche tödtende Zwie,
kracht
Schleicht sich in eine Brust, die von Leidenschaften
nicht rein ist!
Wie zerfleischen das Herz die angsttichcn, scharfen
Begierden!
Wie zernaget die Sorge den Menschen! wie quälet
die Furcht ihn!
Welche Verwüstungen richtet der Stolz nicht an, und
die Geilheit,
Und der Uebermuth, das Prassen, die niedrige Faul-heit !
Alles dieses hat Er, mit Waffen nicht, aber
mit Worten,
Tief aus dem Herzen hinweggeraumet und selber ge-bändigt ;
Und ihm gebührete nicht der Dank, der Göttern ge-bühret?
Ihm, dem Manne, der selbst mit Götterzunge von
ihnen
Ost gesprochen und ganz der Dinge Natur uns ent-hüllt hat.
Auf die Spuren von seinem Pfade tret' ich —
So pries ein Römischer Dichter, Lukrez, Ei-nen seiner Lieblinge der Vorwelt, und er hat meh-rere derselben als Genien unsres Geschlechts, alsGötter und Sterne an den Himmel gesetzt, weil sieLebensweishöstt und Humanität unter d«