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Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
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Christliche Reden

andern seyn konnte erwarben ihr die Liebe undBewunderung Aller, die sie kannten. Sie schiennur für jedes fromme Verhaltniß sich allein hinzu-gcbcn: die geliebte Gemahlin, die einzig nur fürden hochverehrten Gemahl lebte: die zärtlichste Mut-ter einer hoffnungsvollen Tochter, die sic nurwenige Jahre besaß: die treue einzige Schwester:die geliebteste in dem Geschwisterkceis, und mit demZwillingsbruder, *) der ihr in die Ewigkeit voran-gegangen war, Ein Herz: die treueste Freundingleichgestimmter Seelen auf dem Weg der Tugendund Religion, deren Vorbild und Vorgängerin siewar: Freundin und Theilnehmcrin alles Edeln:Mutter, Trösterin und Erzieherin der Verwaistenund Hülflofen.

Einfach in ihrem Anzuge, wählte sie, so vielmöglich, inländische Zeuge zu ihrer eignen Kleidung,aus Ersparniß und zum Vorbild zugleich; sie ent-zog's, dem Aufwand der Mode, und befriedigtehöhere Vergnügungen der Seele, indem sie dieThränen der nahen Unglücklichen im Verborgenentrocknete, und das Fortkommen armer oder verwai-ster Kinder beförderte. Erhabne stille Größe undGeduld in mancherlei Leiden war ihr Charakter;und im Mitgefühle fremder Freuden schien sie nurihre eigene zu finden.

Eine ungekünstelte einfache Erziehung auf dem

*) Dem Grafen Ferdinand Johann Benja-min, bei dessen Lode die vorstehende Rede ge-halten wurde.