Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 14 (1820) Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
376
Einzelbild herunterladen
 

376

II. Vernunft

Ein Schlachtfeld, auf welchem Luftsichter sichmit ikrem eignen Schatten hcrumbalgen, wo dieSchatten, die sie zerhauen^ wie die Helden in Wal-halla in einem Augenblick wieder zusammenwachsen,um sich aufs neue in unblutigen Kämpfen belustigenzu können * *), ist eine Aussicht, womit man wenig-stens die akademische Unterweisung verschonen sollte.Kein Krieg wird geführt als in Absicht de» Friedens;je früher die Partheien Übereinkommen, desto mehrerweisen sie ihrer Vernunft Ehre. Das Amt desRichters, da er Partheien verständiget und zubeider Wohlgefallen ihren Streit schlichtet, heißtnobils juäicis officium, das edle Amt des/Richters.

Wo Disciplin die Vernunft in Ansehungihres polemischen Gebrauchs im Zaum halten muß,ist sie eine Sklavin; keine reine freie Vernunft mehr.Worte entzweien; halbvcrstandne Begriffe, schiefoder zu rasch genommene Schlüsse verwirren; An-maßungen, Stolz, Prätensionen erbittern. Verstandund Vernunft also, sofern sie diese Fehler enthüllen,Worte bestimmen, Mangel ergänzen, sie endenden Streit und schlichten *).

*) S. 784.

*) Die beiden folgenden AbschnitteDisciplin derVernunft in Ansehung der Hypothese» und Be-weise" sagen nichts, was nicht anderswo schonbestimmter und besser gesagt wäre. Eigentlichists auch nicht die Vernunft, die Hypothesen er-dichtet; eine mit Verstandes- und sinnlichenKenntnissen versehene Einbildungskraft entwirftsie und die Vernunft soll sie richten.