„Die philosophische Erkenntnis? ist die Vcr-nunftcrkenntniß ans Begriffen, die inatheinarischeaus der Eonftrnction der Begriffe. Einen B e-griff aber construircn heißt, die ihm corre-spondirende Anschauung er priori darstellcn."
Dieser Unterschied, aus dem fortan alles ab-geleitet wird, Hilst so wenig dem Nebel ab, daß erauch nicht einmal den Punkt trifft, der Mathematikund Philosophie scheidet. Auch die Philosophie con-struirt Begriffe, zwar nicht durch Linien oder andremathematische Zeichen, aber durch Worte. Sinddiese bestimmt und verständlich: warum sollte mittelstihrer der anerkennende Verstand und die aussprechendeVernunft sich mehr Begriffe construircn? Entsprangnicht eben jener falsche Schimmer der transcenden-ten Vernunft, der in Amphiboüecn, Paralogisinenund Arttinomiecn umherlief, daher, weil die Trans-rendentalphilosopbie ein Nichts als Etwas, d> i. un-bestimmte Zeichen als Begriffe übel construirte?Dagegen ist die mathematische Erkenntniß eben sowenig aus der Eonstruction, als die philoso-phische; aus Anerkennung construirter oder con-struibler Begriffe entspringen beide, ,a es gicbt Fallein der Mathematik, da ich die Wabrheit der Sätzeapodiktisch erkenne, ob ich sie gleich nicht construircnkann; und Gegenthcils Falle, da die Eonstructiondem Begriff zu widersprechen scheint, der dennochapodiktisch gewiß ist.
*) S. phn.
Herders Werke z.Phil.u.Gesch.XIV. Z Ä5ctaLi-ü-L-.