I. Verstand und Erfahrung. L3
geleget. „Unsre Erkenntniß entspringt aus zweiGrundquellen des Gemüths, deren dieerste ist, Vorstellungen zu empfangen, (Receptivitätder Eindrücke,) die zweite das Vermögen, durchdiese Eindrücke einen Gegenstand zu erkennen, (Spon-taneität der Begriffe.) Durch die erstere wird uns«in Gegenstand gegeben; durch die zweite wirddieser im Verhältniß auf jene Vorstellung, (alsbloße Bestimmung des Gemüths) gedacht. An-schauung und Begriffe machen also die Ele-mente aller unserer Erkenntniß aus." *)
Und diese zwei Gcundquellen fließen neben ein-ander? Zwei Stamme menschlicher Erkenntniß stehnneben einander? Welch Geschöpf hat dann die Na-tur aus zwei verschiednen Stammen, „deren viel-leicht gemeinschaftliche Wurzel uns völlig unbe-kannt wäre, zusammengeleimet? Schon die beidenKotyledonen der Pflanze zeigen ihre einhellige Ten-denz zum Ganzen; die Eine sprießt in die Luft,die Andre in den Boden ; beider Sprößlinge bildendie Pflanze, und lassen sich sogar wechseln. Bei Thie-rcn streben alle ihre Empfindungen und Kräfte inEinen Instinkt; sie wissen von keinen gesetzlichenWidersprüchen ihrer Natur aus Natur, der Naturentgegen. Der Mensch allein sollte ein so zu-sammengeflicktes Geschöpf seyn, dessen beide Ende,(wenigstens aus keinem für uns übersehbaren Grun-de) zu einander nicht gehörten? Und wie kann dieReceptivität der Eindrücke ,,rine Grundquelle
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*) S. 7I>.