„Man kann also und muß alle bisher gemach-ten Versuche, eine Metaphysik dogmatisch zu Standezu bringen als ungeschehen ansehen; denn was inder Einen oder der andern Analytisches, nämlichbloße Zergliederung der Begriffe ist, die unsrer Ver-nunft u priori beiwohnen, ist noch gar nicht derZweck, sondern nur eine Veranstaltung zu der eigent-lichen Metaphysik,, nämlich seine Erkenntnißu priori synthetisch zu erweitern, undist zu diesem untauglich , weil sie zeigt, was in die-sen Begriffen enthalten ist, nicht aber wie wir upriori zu solchen Begriffen gelangen, um darnachauch ihren gültigen Gebrauch in Ansehung der Ge-genstände aller Erkenntniß überhaupt bestimmen zukönnen. Es gehört auch, nur wenig Selbstverlaug-nung dazu, alle diese Ansprüche aufzugeben, da dienicht abzuleugnende und im dogmatischen Verfahrenauch unvermeidliche Widersprüche der Vernunft'mitsich selbst jede bisherige Metaphysik schon langst umihr Ansehen gebracht haben. Mehr Standhaftigkeitwird dazu nöthig seyn, sich durch die Schwierigkeitinnerlich, und den Widerstand äußerlich nicht abhal-ten zu lassen, eine der menschlichen Vernunft un-entbehrliche Wissenschaft, von der man wohljeden hervorgeschoffenen Stamm abhauen, die Wur-zel aber nicht auSrotten kann, durch eine andre derbisherigen ganz entgegengesetzte Behandlung endlicheinmal zu einem gedeihlichen und fruchtbaren Wüchsezu befördern."
Druckschrift
Zur Philosophie und Geschichte Theil 14 (1820) Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten