das Studium der Theologie betr. 427
ungemeiner, sonderbarer, gar wunder-barer Menschen? und sagen wir nicht, indemwir ihnen diesen Namen zugestehen, oder nachdemdie Zeit sie als solche erwiesen hat, daß ihr Zweckdes Lebens, das Triebrad der innersten Wirkungenihrer Seele, schwer zu erforschen, ja beinahe oh-ne Vergleichung sey? Und was laßt sich denn,ohne diese Vergleichung mit uns oder mit an-dern, vom innersten, totalen Zweck eines ge-summte n Menschenlebens und seiner angewandtenKräfte sicher bestimmen? Gesteht nicht ein jeder:hier sey wenigstens die größeste Behutsamkeit nö-lhig? „Das menschliche Leben, sagt ein Schriftstel-ler,*) scheinet in einer Reihe symbolischer Hand-lungen zu bestehen, durch welche unsere Seele ih-„re unsichtbare Natur zu offenbaren fähig ist und„gleichsam eine anschauende Erkenntniß eines wirk-„samen Daseyns außer sich mittheilet. Der bloße„Körper einer Handlung kann uns ihren Werth„niemals entdecken; sondern die Vorstellung ihrer„Bewegungsgründe und ihrer Folgen sind die Mit-„telbegriffe, aus welchen unsere Schlüsse mit Bei-lall oder Unwillen gebildet werden." Welche Sorg-falt haben wir also nöthig, über solche Schlüffe,als über unser eigen Stick- und Machwerk zuwachen! Nur die rohen Materialien liegen vor uns;was wir daraus bereiten, ist unsere Gestalt, derWahn und Traum unserer Seele, undwenn Hu me sogar zwischen der simpelsten physi-schen Ursache und Wirkung, zwischen einer
') Hamann.