das Studium der Theologie bctr. 419
etwas anders seyn soll. Disputiren wird Christusfreilich weder können, noch wollen, er wirv keineder Künste verstehen, worein unsere Zeiten ihreMeisterschaft setzen, und also gern ein Kind, einIdiot gegen sie seyn und bleiben; wie aber? er-schien er dazu auf Erden? wies er dazu die Apo-stel an? zeigte er nicht immer, daß sein Evangeli-lium gerade das Gegentheil, eine Lehre für dieEinfältigen, für die am Joch der Pharisäer undDisputanten Abgematteken, eine Religion für Herzund That, nicht für Wort und Katbeder seyn soll-te? Glaubt man also, daß das Ehristenthum jetztin männlichen Jahren sey, so zeige man seineFrüchte, nicht auf den Blättern des Systems, son-dern in Werken, in Verfassungen, in der Gestaltder Erde. Man zeige, daß es einfältigere, weisere,bessere Menschen gebe, als Christus war, wirksa.mere Lehrer, als es die Apostel waren: man zeigedie christlichen Königreiche, Staaten und Gemeinen,wo das stille Gute praktisch viel weiter ist, alses Christus und die Apostel in ihren armen Anfän-gen pflanzten. Kann man dies nicht zeigen, waSrühmt man sich denn mit der bloßen Aufklärungin Buchstaben, in Sylben, die doch oft auch zwei-deutig genug ist. Wehe Ihnen, mein Freund,wenn Sie das Reich Christi als ein solches Buch-staben - und Sylbenreich ansehcn lernten und anChristo keine andere Gestalt, als eine Materie zupredigen, zu krilifiren, zu polcmiflren sahen! DerBaum Ihrer Religion wäre damit verdorret, viel-leicht auf Lebenszeit. Wahrlich, er hat's nicht zumZweck gehabt, daß jedes Jahrhundert ihn immer
Dd -
- ->X-L