386
Briefe,
gleichem, aber progressivem Maas der Schwere inguten und bösen Folgen rege. Fremde empfinde»das nicht; aber du empfindest's. Vielleicht empfin-dest du's jetzo nicht, weil du dein Gefühl abge-stumpft hast; aber fahre fort, du wirst's und viel-leicht dann empfinden, wenn du von dem Arm dervergeltenden Waage erdrückt wirst. Die Alten ha-ben gesagt: nichts rache sich so scharf, alsdie Natur; und was und wo ist nicht NaturGottes? Sic haben gesagt, daß, je langsamerdie Rache komme, desto schwerer siestrafe, und so diese, wie hundert andre feineBemerkungen über das Göttliche in mensch-lichen Dingen durch die treffendsten Bilder,Sprüchwönec, Symbole, Fabeln dargesteilt. DieSchriften des A. und N. T. reden von diesemAlles durchschauenden Auge, das wie ein zweischnei-diges Schwert blickt, und das Innerste unser-Herzens theilet. Sie reden von jenem Buch Got-tes , wo Alles angeschrieben wird und in der Folgegewiß zum Vorschein kommt, von einer auch indiesem Leben fortgehenden Saat und Erndte.
'— Ja, wem spricht nicht, mehr als alles, hier-über sein Gewissen, das fortgehende Bewußt-seyn seines Lebens, das doch eigentlich allein un-ser Ich, unsere moralische Identität ausmacht?Grazien und Furien stehen bei jeder Handlung be-reit, uns zu umfangen und fortzubcgleiten. Siebegleiten uns auch wirklich und lassen sich nicht ab-treiben ; eine Zeitlang verscheucht, kommen sie ge-radc in der Enge des Lebens am furchtbarsten Ortwieder, uns durch die natürlichen Folgen unse-rer Handlung mit Griffeln und Rosenkränzen zu