daß Studium der Theologie betr. 335
viel gehört dazu, dies Werk zu verstehen? inihm seinen Urheber zu finden und genau allesdas von ihm zu finden, was für uns ist? Wiewenig hat der Künstler mit seinem Werk gemein!und Gott, der unendliche Künstler mit seinem im-mer doch von uns nur endlich zu übersehendenWerke! Er der Vollkommenste; und uns dünkt's,wir sehen Unvollkommenheiten, Mangel. Er, derEine, der Hohe, Seligste, Beste, und hier an-scheinende Unseligkcit, Tod, Elend, Nichtigkeit derGestalten. Er, die ewige Harmonie der Harmo-nien; und hier und da seltsame Verwirrung, Chaos.Welchen kleinen Winkel bewohnen wir in der Schöp-fung ! und wie wenig scheu wir in diesem kleinenWinkel! Wie kurze Zeit sehen wir's! durch wietrübe Ferngläser und Sinne! kommen und wissennicht, was wir waren, gehen hin und wissen nicht,was wir seyn werden. Ihr Bewohner anderer Wel-ten, anderer Sterne und Erden, wisset ihr mehr?sehet ihr, was um euch liegt, mit eurem Geschlecht,mit euch selbst und Gottes Natur in mehrerer Har-monie und Ordnung ? sehet ihr auch nur EinenRing, Ein Glied in der Kette, worin ihr schwebet,vor- und rückwärts weiter? Natur, spricht! Natur,du schweigest. Ich suche mich blind in den Ge-schöpfen und finde sein Bild nicht; wie sollte ich'sauch finden, da er kein Bild hat—und . doch sehneich mich darnach, als ob er meiner Gestalt wäre ,wie nach einem liebenden, nah versteckten Freunde,dessen Nahe ich ahne. O daß mir ein Laut seinerStimme spräche! und siehe! er spricht zu mir.Dessen Gestalt ich nicht sehen kann, dessen väter-liches Wort kann ich hören: er öffnet mir, wie