Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

33c,

Briefe,

Hier scheiden sich nun allerdings Vernunft undOffenbarung, aber nicht als feindliche Wesen, son-dern wie sich Abstraktion und Geschichtescheidet. Hat jene Gründe, diese nicht für acht zuerkennen: so sage sie diese Gründe und lasse ihreAcchtheit ebenfalls prüfen. Sie erlaube aber auchandern, daß sic sie für acht annehmcn: denn Ab-straction hat eigentlich über Geschichte keine Gesetze:keine Geschichte in der Welt steht auf Abstraclions-gründen a xriorl. Spricht jene:ich scheide michvon dir: denn ich mag meine Lehren, meine Hoff,nungen, meine Pflichten auf kein so baufälligesGebäude, als eine Geschichte ist, setzen, auch nichteinmal sie daran hängen, kurz dich nicht zur Nach-barin haben:" so mag diese antworten:scheide!Meine Facta kann ich nicht auf deine Art demon-striren, willt du sie nicht auf meine Art erkennen,wie Facta erkannt werden müssen, so beneide ichdir dein philosophisches Gewebe, das du aus dirselbst willst gesponnen haben, wie viel du mir da-von auch schuldig seyst, nicht. Hange es an dich,oder mache, daß cs durch sich selbst bestehe; nurvergönne, daß ich mein Gebäude auf eine andereArt, auf einen andern Grund baue. Ich sehe, daßin der ganzen Welt Vernunft und Geschichte nichtnur Zusammenhängen, sondern jene auch ineinzelnen Lhatfachen und gleichsam Erweckungen ausdieser hervorgcgangen sey. Du abstrahirst von die-sen Thatsachcn und ordnest die Wahrheiten, ihreResultate, an und unter einander, um ihre Schön-heit und Harmonie zu fühlen; ich gönne dir deinGefühl und theile cs mit dir: nur vcrläugne ichmeine Menschheit und die einzelnen Quellen nicht,