das Studium der Theologie betr. A29
diese älteste, diese mit unserm Geschlecht fortgchcndrOffenbarung verhallen sich wie Kinder und Mutter;wenn jenes dieser in's Gesicht widerspricht, daß,weil cs jetzt gehen könne, es nie das Gehen vonihr gclernet habe, so handelt's weder vernünftignoch kindlich.
Sie werden sagen: „mag's scyn, daß dieToch»„tcr einmal von der Mutter gehen gelernt; aber„jetzt kann sie allein gehen, sie braucht ihren Lett-land nicht mehr; sie will sie nicht immer hinter„sich haben." Die Mutter darf nichts, als ant-worten : ,,gehe allein! ich will dich nicht hindern,ich dränge mich niemanden auf. Habe ich's dir dochkaum merken lassen , daß ich dich gehen lehrte!"Aber, mein Freund, alle Vergleichungen hinken,und so wollen wir uns auch diesem nicht weiterüberlassen, als cs reichen kann und soll. Bekann-termaaßen hat sich die Offenbarung Gottes in dieGeschichte eines einzelnen Volks verschlungen undmit derselben auf viele andere fortverbreitet. DieseOffenbarung in und durch Geschichte hat offenbareinen höheren Umfang von Hoffnungen und Leh-ren, als die gebildetste Vernunft der Griechen undRömer sich vorzuzeichnen gewagt hat; und doch er-scheint sie in der faßlichsten Gestalt für Menschen.Sie macht das Unendliche endlich ; nicht anders aber,als daß der Schöpfer selbst in Menschennatur seinGeschlecht belehret, rettet und in die Ewigkeit füh-ret: an ihn, an seine Begcgnisse und Thatcn sinddie größesten Wahrheiten und Hoffnungen geknüpft,deren sich die menschliche Seele erfreuet und daSEhristenlhum seitdem als ihre Ausbreiterin rühmet.