Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

B riefe,

314

sie mit mehrerer Gewißheit und Sicherheit würdeabgehandclt, er seinen Weg mit weniger Umwegenwürde verfolgt hoben? Wozu wäre dos menschlicheLeben, wenn mon in ihm nicht täglich lernte?

Wenn mir also auch bei diesen Briefen meinGeist oftmols sagte, daß, wenn ich sie jetzt zuschreiben horte, ich sie hie und da anders würdegeschrieben hoben: so sagte mir zugleich mein Herz,daß ich sie damals so gut schrieb, als es die Gele-genheit gab und ich sie nach vorliegenden Umstän-den zu schreiben wußte. Ich habe in dieser Aus-gabe gebessert, was sich sowohl in Behandlung derMaterien als in der Schreibart bessern ließ, undwer Geduld hat, zu vergleichen, wird auch ausdiesen Acnderungen lernen. Um schaffen ließ sichindessen das Buch nicht: denn cs ist ein Briefwech-sel , der sich auf Umstände einer Zeit und Persongründete, und der muß er bleiben. Eben als sol-cher ist er, wie ich weiß, für manchen Jünglingbelehrend gewesen, und wird es, wie ich hoffe,für manchen andern noch jetzt werden. Gesichts-punkte, Literatur und Form einer Wissenschaft ver-ändern sich mit den Jahren; das Wahre, Wesent-liche und Herzliche der Theologie und Religion wirdzu allen Zeiten Dasselbe seyn und bleiben.

Weimar, den 8. Jul. 1766.

I. G. Herd er.