Vorbericht
zurzweitenAusgabe.
Die Eigenliebe eines Schriftstellers, falls ersich beim Schreiben seines Buchs keiner edlemTriebfeder bewußt ist, müßte sich ohne Zweifel sehrgedehmüthiget fühlen, wenn nach wenigen Jahren,da die Schrift eine neue Auflage erlebt, ihn selbstschon ein Theil ihres Inhalts weniger befriedigte,als da er sie zum erstenmal herausgab. Er konntesodann wahrscheinlich darauf rechnen, daß in an-dern Stücken Andre noch unbefriedigter, als Ec,seyn werden, und die papierne Ewigkeit seinesWerks müßte dabei manche Gefahr laufen.
Dem Schriftsteller, der nicht aus Eigenliebeschrieb, wird das an sich unangenehme Gefühl derUnvollkommenheit seines ehemaligen Werks durcheine andere Vorstellung, wo nicht versüßet, so dochgemildert. Er fühlt nämlich, daß die Wissenschaft,die er bearbeitete , oder seine eigene Kenntniß undErfahrung sortgcrückt sey, und warum sollte er sichdarüber nicht freuen dürfen? Warum sich nichtfreuen dürfen, daß, wenn er jetzt den Weg zu ge,hen, diese und jene Materie abzuhandeln hatte, er