das Studium der Theologie betr. 235
Damit aber glauben Sie nicht, daß ich denArbeiten der genannten und nicht genannten ver-dienten Männer etwas von ihrem Werth entziehenwollte; sie sind allcsammt sehr nützlich gewesen, nurzu ihrer Zeit und in ihrer Absicht. Erasmusz. B. (seine Paraphrase über das N. T. wird nock-lange die Erste bleiben) lesen Sie seine Vorrede,seine Dedication an den Kaiser, und Sie werdensowohl die Schwierigkeiten seiner Arbeit als denZweck derselben aus seinem eigenen Munde hören.Ec wollte mit seiner leichten und schönen Para-phrase sanft vorbereiten, die streitenden Gemütherunvermerkt vereinigen, vom barbarischen Scholasti-cismus zur Bibel führen, und die unwissenden Phi-losophastcr seiner Zeit, was in der Bibel stehe odernicht stehe, in einer andern als der ihnen gewohn-ten Sprache lehren. Dies wollte er, und dieshat er mit einer noch fortgehenden Reformation ausseinen silberhellen Schriften bewerkstelligt: seineParaphrase bleibt also wegen ihrer klaren Denkartund schönen Sprache noch Goldes werth; unmög-lich aber wollte der Sprachen kennende Mann sieeinem heutigen Lehrlinge statt des Textes geben.Locke hatte zu seiner Zeit ähnliche Absichten undauch Er hat sic erreicht. Durch seine und seinerNachfolger Schriften sind die scholastischen iSpitz-fündigkeiten über die Briefe der Apostel sehr abge-ründet, und auch unter denen, die nicht Theolo-gen sind, ein gewisses leichtes, schlichtes, prakti-sches Wortverstandniß der Schriften des N. T. ver-breitet; so daß wir auch den verdienten Männernviel Dank schuldig sind, die diesen englischen Pa-raphrasen das deutsche Bürgerrecht gegeben haben.