Briefe,
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gen mußte, weil er dem Schriftsteller wie seineWorte, so auch seine Ideen unvermerkt leihet —welch ein gefährlicher Nichtwcg wird hiemit jedeblendende Paraphrase. Locke gicng gewiß mit treuerWahrheitsliebe zu seinem Paulus; und hat er ihnüberall verstanden? hat er ihm nicht seine, LockcsGedanken unterschoben? Und was Locke begegnetist; wem dürste es nicht begegnen? An Scharf-sinn und Unparteilichkeit fehlte es ihm, der keinTheolog war, gewiß nicht. Ucberdcm, mein Freund,ist's eine Art von dummmachendcr Arbeit, sichfrühe an Paraphrasen zu gewöhnen. Den Textverstehen, d. i. sehen müssen Sie doch lernen;warum wollten Sie also nicht lieber gleich mit eige-nen Augen sehen wollen und erst durch fremde Bril-len Ihr Gesicht verderben? Lernen Sie die Spra-che : nehmen Sie das Wörterbuch, und allenfallsAnmerkungen, Meinungen, Eommentare zur Hand:vorzüglich aber studiren Sie den Zusammenhangund halten sich an den Geist des Autors; dieseschöne Mühe, diese geistaufweckende, forschende Ge-duld wird Ihnen bald alle fertige Paraphrasen, denenSie nur nachschwimmen durften, verleiden. EinJüngling, der sich selbst Früchte liefet, will nicht,daß ihm der gekaute Bissen in den Mund gestopftwerde, und wer einmal Gefühl vom Geiste dieserSchriften hat, wird sich die süße Beschwerde nichtdauern lassen, den Verstand derselben literarischund exegetisch sich selbst zu erwerben. Nun weißer doch, was dunkel und klar sey, und weiß es auseigener Erfahrung; bei dem Paraphrasten war ihmalles gleich klar d. i. gleich dunkel.