das Studium der Theologie belr. 283
Nachbild derselben, eine plaudernde Echo. Dieschlechteste Übersetzung ist wenigstens der Kupfersticheines Gemäldes; in der besten Paraphrase ist garkein Gemälde mehr: Composition und Haltung,Farbe und ursprünglicher Geist ist in der Urschriftzurückgeblieben.
Drittens: „Aber die Richtigkeit der Ge-
danken ist wenigstens hinübergetragen?" Ich zweifle.Lesen Sie Locke und Whitby, Doddridgeund Clarke, Zachariä und Semler; lassendiese berühmten und ruhmwürdigen Paraphrastenihre Schriftsteller Eins und dasselbe sagen? UndEins hat er doch nur gesagt: seine Gedanken müß-ten in jedem Paraphrasten dieselben seyn, wenndiese Act der Darstellung treu und genugthucndseyn sollte. Nun trifft dies zwar auf alle Ausle-gungen aller Commentare; allein mit dem merk-würdigen Unterschiede, daß in diesen der Erklärer,in jenen der vorgegebene Schriftsteller selbst redet.Die Meinung des Erklärers darf ich nicht anneh-men , wenn seine Gründe mir nicht hinreichendscheinen und ich eine bessere habe. Er mußteGründe anführeu und ich konnte sie prüfen: meinAuge ward immer wachend erhalten: denn ich lasursprünglich nicht ihn, sondern den Autor. Beidem Paraphrasten nicht also. Er schwemmte michgleichsam hinein in seine Erklärung; sobald ich seinSchiff bestiegen habe, bin ich vom Lande weg undmuß ihm folgen. Fügen Sie nun noch hinzu,daß vielleicht der Paraphrast sich selbst so wcg-schwemmte, daß, wenn er ein System hatte, erunwissend dasselbe mit seiner Denkart hinübertra-