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Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
Entstehung
Seite
282
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Briefe,

denn wer wird im täglichen Gespräch immer einenParaphrastcn neben sich haben? Hatte er sie-thig, und in allen Theilen nöthig: so war's einschlechter Brief oder eigentlich gar kein Brief, son-dern ein Rathftl und hätte ihn Gabriel selbst ge-schrieben.

Zweitens: Die schönste Deutlichkeit undKlarheit der Gedanken beruht auf ihrer Verbindungd. i. auf der Stellung und Anordnung, in die sieder Schriftsteller setzte, auf dem Umriß und wennich so sagen darf, der Geistes - Miene, die ihr diedenkende Seele gab. Hierin besteht das Geprägejedes eigenthümlichen Autors: in lebendiger Gestaltstellet es uns sich dar und mit einem unerklärlichenVergnügen gehet der Eindruck davon unmittelbarin die Seele des Lesenden über. Nothwendig gehtalles dies in der besten Paraphrase verloren. NichtPaulus, nicht Petrus sprechen mehr zu mir; son-dern der Paraphrast in ihrem Namen. Er zeigtmir seinen, statt ihres Styls, sein Antlitz stattihres Gesichtes. Nehmen Sie die besten Paraphra-sen der englischen Sprache, Locke, Benson,Clark, Taylor, Whitby, Peirce, Pyle,u. f.; wer spricht in ihnen ? Locke oder Paulus ?Clark oder die Evangelisten und Christus? undsprechen in ihnen z. B. in Benson und Whitby,nicht die verschiedensten Schriftsteller gleich? Dengrößten Reiz des Lesens also,, das Urgcpragedes Schriftstellers, mithin die intuitiveScelenkenntniß desselben haben Sie verloren; undwas dafür erlangt ? Die Lectnre einer Schrift, diekeine Schrift mehr ist, vielleicht ein verwässertes