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Religion und Theologie Theil 9 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 1
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hatte er's nicht also beschreiben lassen? Nun lesenSie beides in Vergleichung: Ein Kapitel der Pas-sionsgcschichte und viele Gesänge darüber; und sagen,wo ist mehr Natur, ursprüngliche Wahrheit,reiner B e g r i ff der Sache, Convenienz desStyls zu ihr und endlich gewiß auch mehr un-verfälschte, ewig dauernde Wirkung?

Wie aber, die wunderbaren Begebenhei-ten? die Erscheinung der Engel, das Erdbeben,die Auferstehung, die Erscheinung der Tobten, dieHimmelfahrt; sollten die nicht im höchsten Gradepoetisch scyn?" Ich glaube es wohl; im höchsten,höchsten Grade poetisch, aber nicht für uns Men-schen. Beim Wunder liegt uns bloß die äußereThat vor Augen, Wort und Erfolg: je kürzer diesebeschrieben, je einfacher und wahrer beide gebundenwerden, (gerade wie die Evangelisten sie binden-:er spricht, so gcschieht's! Er gebeut, so stehet'Sda!") desto mehr thun sie für uns sinnliche Zu-schauer Wirkung. Wie im Unsichtbaren das Wun-der hcrgieng, wissen wir nicht, daher kann's derDichter mit historischer Wahrheit nicht holen; ermuß es durch Dichtungen, die vielleicht demsinnlichen kurzen Effect schaden. Gesetzt, es stündeimmer eine Schaar Engel bereit, die unsichtbardem Blinden das Auge öffnen, die Keime des,Weins (nach einer berühmten neuern Hypothese) indas Wasser tragen, das Wein werden soll; sagenSie, ist durch diese poetische oder metaphysischeLückenfüllung der Effect des Dichters gegen denEffect des Evangelisten vermehrt oder vermindert?

Herder! Werke z. Rel. u. Thcol. IX. Q