202
Briefe,
eine langweilige Brühe, oder er giebt dem Textfeine d. i. eine ganz neue Verbindung. In bei-dcm Fall muß das A. und N. T. leiden. FangenSie einen Poeten an zu paraphrasiren, zuprosai-siren; er ist kein Poel mehr, hat Geist und Kraftverloren, man liefet sich an ihm matt und müde.So ist's mit der Paraphrase der Propheten, Lieder,Psalmen , selbst der Lehrbücher des A. T. , die dochalle poetisch sind. Versuchen Sie nun gar einesimple Geschichte, wie die des N. T. ist, zuumschreiben, zu commentiren und zu verdogmatisi-ren, nachdem Ihnen hie oder da der Muth stehet;der charakteristische, enge, einfache Geschichtschreiberist verschwunden, es stehet ein neues trauriges Mit-telding zwischen Geschichte und ihrer Erklärung da.Endlich unternehmen Sie's gar, Briese zu pa»raphrasiren, insonderheit paulinische Briese, die bei-nahe schon Paraphrasen ihrer selbst sind; man ver-wirret sich, nicht in Paulus oder Petrus, sondernin des neuen Peter-Pauls Paraphrase, weiß zu-letzt nicht, ob man einen Vlies oder eine mattePredigt oder eine holprige Abhandlung lieset —kurz es wird ein verzogen, elend Werk. Paraphra-siren Sie doch einmal ein Menschengesicht mit einemHohlspiegel oder einem Vergroßerungsglase und se-hen , wo der Umriß für unser natürliches Auge ge-blieben? was aus der Menschensigur jetzo gewordensey? — Kein Jota anders mit der auseinanderge-rissenen Gestalt dieser Schriften. Wie oft muß derSchriftsteller sagen, was er gar nicht sagen wollte!Wie oft mit offenem Munde sagen, was er imFaden seiner Rede kaum andeutete, kaum herwinkte.Ein seiner Sinnspruch, ein natucvolles Glcichniß