Briefe,
178
Vierzehnter Brief.
Keinen fußbreit Platz habe ich mir mit demvorigen Briefe für Dogmata des Ehristcnthums er-streiten wollen ; nur ein schmales Plätzchen für diesearme, verachtete, nnd doch in sich selbst so zusam-menhängende , edle Geschichte. Johannes mag mitseinem Dogma: „Das Wort war ewig, war Gottund ward Fleisch" — noch ganz an seinem Ortebleiben; denn daß das ewige Wort Mensch wurde,schrieb er nicht als Zeuge, sondern als Lehrer,der also zu seiner Lehre auch andere Quellen braucht,als Ohr und Auge. Aber daß Christus Todtc er-weckt, daß er einen viertägigen Tobten zum Lebenaufrief, daß er einem Blindgebornen das Gesicht,einem dreißigjährigen Kranken die Gesundheit durchEin Wort gab, daß Er selbst, der gekreuzigte, be-grabene Christus wieder erschienen, wieder gesehenund erkannt sey, das konnte Er und seine Brüderzeugen. Dazu gehört nur Auge und Sinn, einrichtiger Verstand und ein gesundes Urtheil Unddaß die Apostel dies gehabt, daß in ihren Schriftenkeine Spur von Schwärmerei, verschlagener List,betrogener Dummheit, alberner Eitelkeit, Jesumzu loben oder durch ihn gelobt zu werden, erscheine;ist, dünkt mich, augenscheinlich. Mögen sie sich inihren Anführungen des A. T., in ihren Ideen überJesum geirrt haben, wie sie wollen (ich rede davonnoch nicht), das alles gehört nicht zu ihrem schlich-ten, historischen Zeugniß, über Sachen, vondenen sie zeugen konnten, zeugen mußten (denn