das Studium der Theologie betr. 177
Mithin können diese wunderbaren Facta durch keinenSchluß von unserer Erfahrung, und die Analo-gie, die in ihnen selbst liegt, durch keine Analogieaus unserem Leben über den Haufen raisonnirt wer-den ; so wenig ich Cäsarn aus der Geschichte weg-läugnen kann, weil er kein Mensch unserer Tage,oder einen Riesen laugnen kann, weil er kein Zwergist. Doch ich fühle selbst das Ueberspannte meinerFolgerungen; wie denn nothwendig alles schwankendoder überspannt werden muß, wenn man von soincommcnsurabeln Sachen, als Raisonnement undFactum , Wahrscheinlichkeit nach unsererMaasgabe und Wahrheit einer Geschichtein Einem Othem und wie über Ein- und dieselbeSache reden soll. Jst's e<x «»0
wenn man auf historische Dinge allgemeine Dogmatabauet; so ist's solche nicht minder, wenn man jenedurch Dogmata von Wahrscheinlichkeit, Wunderba-rem u. dgl. , deren Calcul noch niemand in der be-kanntesten Sache zur Gewißheit gebracht hat, wan-kend machen wollte. Beide stehen völlig auf ihremeigenen, sehr verschiedenen Grunde. Geschichte mußman durch Vergleich mit ihr selbst, mit ihrem Ort,Zweck, Zeitalter, Zeugniß u. dgl. glauben, odersie ist für uns nicht da; man laßt sie andern undglaubt sie nicht. Ich kann cs Saundcrson nichtverdenken, wenn er sich keinen sichtlichen Begriffvon der Sonne machen kann, weil er sie nicht sic-het; wollte er deßhalb aber die Sonne laugnen oderbestimmen, wie weit die Relation der Sehenden vonihr wahr oder falsch sei); gienge er dabei nicht zuweit? Vielleicht, wenn er auf's schärfste raisonnirte;spräche er für Sehende am irrsten.
Herders Werke;. Siel. u.Thcol, IX. M