das Studium der Theologie betr. 171
untersuche nicht, ob er sein Evangelium zuerst he-bräisch geschrieben (unwahrscheinlich ist's nicht); ge-nug, wir hoben es griechisch, und dies griechischeist offenbar vom ebraischen Evangelium der Naza-rener sehr verschieden. Von diesem wissen wir nichtgenug, um darüber urthcilen zu können; was wiraber davon wissen, hebt den Verdacht nicht auf,daß es nicht nach Lieblingsmepnungen der Ebioni-tcn eingerichtet, also auch unsern übrigen Evange-lien widersprechend gewesen. Genug, Matthäi grie-chisches Evangelium war uns allein bestimmt undwir haben an ihm, verglichen mit den andern drei-en, unstreitig die älteste, schlichteste Volks Nach-richt vom Leben Jesu. Er folgt ihm Schritt vorSchritt auf seinen Reisen, Zügen, Wundern: beiihm ist kein Plan, keine Anordnung etwa zum Re-sultat eines allgemeinen Satzes, wie bei Johannes,oder zu einer strengen Zeitbcmerkung. Er schreibt,wie er gehört oder gesehen hat, Reisen, Wunder,Sprüche, Gleichnisse, so daß er nur vielleicht eini-ge derselben, wenn sie einander nahe lagen, zu-sammen bindet, manchmal viele Wunder in Einsfaßt , offenbar aber nur Epitomen, Summariendes Lebens Christi schreibet. Diese planlose Einfalt,diese kunstlos und einzeln aufgenommene Reihe derErzählung ist mehr Bürge der Wahrheit, als wenner und seine Brüder zierlich gereihet und harmoni-sirt, wenn sie einander die Feder geliehen und wieaus Einem Munde gesprochen hatten. — DemMatthäus ist Marcus gcfolget. Daß er ihn vorsich gehabt, ist offenbar, ob ich gleich nicht entschei-de, in welcher Sprache? Die Zusatze, die er macht,verrathen nicht unwahrscheinlich Petrus Zulhat;